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28. Jan 2007

Lecker Milch oder Die Geschichte von Herrn Müller

Dieser Text ist nicht von mir verfasst, sondern ist mir als email zugeflogen.
Da ich ihn aber als sehr verbeitungswürdig empfinde, landet er nun also hier im Blogg. Vielleicht kennt ihr den Inhalt der Geschichte ja auch schon?, ich glaube, sie ist schon vor einiger Zeit passiert:

Der Herr Müller kommt aus Aretsried, das liegt in Bayern, also ganz im Süden.
Der Herr Müller ist ein Unternehmer.
Und das, was in den Fabriken von Herrn Müller hergestellt wird, habt ihr sicher alle schon mal gesehen, wenn ihr im Supermarkt wart.
Der Herr Müller stellt nämlich lauter Sachen her, die aus Milch gemacht werden.
Na ja, eigentlich stellen die Kühe die Milch her, aber der Herr Müller verpackt sie schön und sorgt dafür, dass sie in den Supermarkt kommen, wo ihr sie dann kaufen könnt.

Weil der Herr Müller ein Unternehmer ist, hat er sich gedacht, er unternimmt mal
was und baut eine neue Fabrik. Und zwar baut er sie in Sachsen, das ist ganz im
Osten.

Eigentlich braucht niemand eine neue Milchfabrik, weil es schon viel zu viele davon
gibt – und diese viel zu viele Milchprodukte produzieren – aber der Herr Müller hat
sie trotzdem gebaut.
Und weil die Leute in Sachsen ganz arm sind und keine Arbeitsplätze haben, unterstützt der Staat den Bau neuer Fabriken mit Geld.
Arbeitsplätze hat man nämlich im Gegensatz zu Milchprodukten nie genug.

Also hat der Herr Müller einen Antrag ausgefüllt, ihn zur Post gebracht und abgeschickt. Ein paar Tage später haben ihm dann das Land Sachsen und die
Herren von der Europäischen Union in Brüssel einen Scheck über 70 Millionen Euro
geschickt.
70 Millionen, das ist eine Zahl mit sieben Nullen – also ganz viel Geld.
Viel mehr, als in euer Sparschwein passt.

Der Herr Müller hat also seine neue Fabrik gebaut und 158 Leute eingestellt.
Hurra, Herr Müller!

Nachdem die neue Fabrik von Herrn Müller nun ganz viele Milchprodukte hergestellt
hat, hat er gemerkt, dass er sie gar nicht verkaufen kann, denn es gibt ja viel zu
viele Fabriken und Milchprodukte.
Na ja, eigentlich hat er das schon vorher gewusst, auch die Herren vom Land
Sachsen und der Europäischen Union haben das gewusst – es ist nämlich kein
Geheimnis.
Das Geld haben sie ihm trotzdem gegeben.
Ist ja nicht ihr Geld, sondern eures.

Also was hat er gemacht, der Herr Müller?

In Niedersachsen, das ist ziemlich weit im Norden, hat der Herr Müller auch eine
Fabrik. Die steht da schon seit 85 Jahren und irgendwann hatte der Herr Müller sie
gekauft.
Weil er jetzt die schöne neue Fabrik in Sachsen hatte, hat der Herr Müller die alte Fabrik in Niedersachsen nicht mehr gebraucht, er hat sie geschlossen und 175 Menschen haben ihre Arbeit verloren.

Wenn ihr in der Schule gut aufgepasst habt, dann habt ihr sicher schon gemerkt, dass der Herr Müller 17 Arbeitsplätze weniger geschaffen hat, als er abgebaut hat.
Dafür hat er 70 Millionen Euro bekommen.

Wenn ihr jetzt die 70 Millionen durch 17 teilt, dafür könnt ihr ruhig einen Taschenrechner nehmen, dann wisst ihr, dass der Herr Müller für jeden vernichteten Arbeitsplatz über 4 Millionen Euro bekommen hat.
Da lacht er, der Herr Müller - natürlich nur, wenn niemand hinsieht.
Ansonsten guckt er ganz traurig und erzählt jedem, wie schlecht es ihm geht.

25. Jan 2007

(kein Betreff)

Konsumverweigerung als Weg zu begreifen,
die Welt und die Art des menschlichen Zusammenlebens zu verändern,
- das kann natürlich auch nur einem Wohlstandskind einfallen.
Sattgegessen fällt es eben leicht über die Wirkungen von Nicht-Konsum zu philosophieren ...

Wieviel Prozent der Menschheit mögen das wohl sein:
Nutzniesser des Wohlstands?

... egal, denn VIEL wichtiger für den globalen Prozess ist:
der ganze andere Rest hat diesen teuflischen, süchtig-machenden Rausch noch vor sich!
Ebenso die Erkenntnis, dass Konsum(wahn) nur oberflächlich Glück beschert.

All die Gesellschaften, die marktwirtschaftlich gerade am Durchstarten sind ....
Hhmm, neue Märkte.
Hhhmmmm, reib die Hände:
Frischfleisch.
Neue, lenk- und leitbare, kurz: hypnotisierbare Konsumenten & Konsumentinnen.
Lecker, lecker. Mampf.

Und was ist mit den übrigbleibenden Ländern & Menschen?,
denjenigen, die sich noch nicht auf dem Weg befinden, reich & modern zu werden,
es auch noch nie waren
(in den hochnäsigen Augen der modernen Welt),
es demzufolge aber irgendwann werden sein wollen?
Schliesslich leben WIR ihnen ja so genussvoll vor, wie unheimlich guuut es sich anfühlt, über die Stränge zu schlagen ....
Wie soll denn dabei einer länger zusehen können,
ohne dass bei ihm nicht auch der Speichel zu laufen beginnt?

Irgendjemand hat mal versucht, abzuschätzen, wieviele Ressourcen wohl weltweit so zur Verfügung stehen. Nicht nur bezogen auf Energierohstoffe wie Öl, Gas, etc., sondern auf Rohstoffe aller Art, auf Wasser, Boden (zur Produktion von Nahrung), u.a.m.
Die Rechnung ist einfach.
Manche Dinge werden durch Vereinfachungen eben so bestechend deutlich.
In ihr wird die Summe der abgeschätzen Ressourcenmengen geteilt durch die Anzahl der Menschen, die es weltweit gibt. Das ergibt einen simplen Durchschnitt, der besagt, wieviel jedem Individuum zur Verfügung stehen würde, wenn denn der Ansatz wäre, jedem stünde der gleiche Anteil zu (... von wegen wir sind alle gleich und so ...).
Grosser Humanismus, liebste Aufklärung.
Brav. Eins. Setzen.
Gott liebt alle Menschen,
und für die Atheisten: die Gleichheit des Menschen in einer gerechten Demokratie.
Soviel zur Theorie.

Der nächste Schritt war dann nämlich
( ... ach, wäre er doch ungetan (weil so unangenehm Unangenehmes zutage fördernd)):
Die Ermittlung, wieviel Ressourcen von einem Individuum der modernen, zivilisierten Welt im Durchschnitt denn nun so verbraucht wurde.
Muss ich ausformulieren, wie sich dieser zweite Durchschnitt zum zuerst ermittelten verhielt?, wahrscheinlich nicht.

Unser aktueller Energiehunger
MINUS
dem bereits praktiziertem Umweltschutz & Ressourcensparsamkeit & Bewusstwerdungsprozessen im Menschen und Gesellschaften
UND
hochgerechnet auf alle lebenden, aber noch unentdeckten und unsozialisierten Konsumwahnsinnigen und Energiehungrigen in den hintersten Ecken der Welt, die wir momentan noch nicht unter den „Nutzniessern des Wohlstands“ begrüssen dürfen,
ERGIBT
Wir übersteigen die Ressourcenkapazität der einen, real existierenden Erde um ein Mehrfaches.
PLUS
einzubeziehen bleiben die (unter Umständen bereits gefundenen) Lösungen, die vielleicht irgendwo unter Verschluss liegen, weil Lobbyisten sie nicht förderlich finden für die Industrie und die Unternehmen, die sie vertreten oder weil sie (gross)technisch (noch) nicht umsetzbar sind

Wie verzehnfacht man nun aber den einen Planeten Erde?
(... ein mir bekanntes, wohlklingendes Wort für die Mehrzahl von „Universum“ oder „Erde“ hat die moderne Sprache leider noch nicht gefunden), aber:
könnten wir nicht dem zu erwartenden Anschwellen der globalen EnergieGier vielleicht dadurch begegnen, indem wir (.... gaaaanz einfach) eine Verbindung zu mindestens zehn der, theoretisch in unendlicher Anzahl vorkommenden Parallel-Erden (Universen? Universums?) herstellen, um dort einwenig Energie abzusaugen?
Oder besser, gaaaanz vorausschauend, gleich zu hundert?
Und, um gaaaanz auf Nummer Sicher zu gehen, sollten wir natürlich auch darauf achten, nur in uns technisch unterlegene Parallel-Gesellschaften vorzudringen, damit sie sich auch garantiert nicht wehren können.
Gibt ja schliesslich unendlich viele.
Haha.
Na ja.
Soviel zur Theorie.
Mal wieder.
Funktioniert wahrscheinlich ebenso nicht.
(... vielleicht kriegen wir ja auch die menschliche Gier unter Kontrolle? Wie wär´s, wenn wir global Extasy verteilen?)

Nun, ganz nebenbei: DAS war nur Zukunftsmusik.
Runtergerechnet, aufs Heute, Hier & Jetzt (... und ziemlich deprimierend):
selbst der Sparsamste unter den Wohlstands-Sparsamen
- lebt er denn unter der zeitgenössischen Marktwirtschaft Europas oder Nordamerikas,
wird im Durchschnitt immernoch mehr verbrauchen, als ihm per globalem Wert eigentlich zustehen würde.
Haleluja.
Und, nur damit wir es nicht wieder vergessen,
ein grosser Teil der Menschheit hat im Sinne der Marktwirtschaft noch nicht einmal angefangen, zu fressen (... und zuviel zu verbrauchen).
Verflixt und zugenäht aber auch.
Mir schwant da nichts gutes, ehrlich.
Obwohl mein Verstand bei solchen Bildern nicht müde wird,
mein Herz mit Hoffnung zu füttern.

23. Jan 2007

(kein Betreff)

Die Vereinzelung des Menschen fördert seine Unterdrückung & Kontrolle (und den Energiekollaps).
Ungeduld macht kurzsichtig für die langfristigen Folgen des eigenen Handelns.
Entschleunigung des Lebens (bedeutet neben mehr Gesundheit auch ebenfalls Energie-Sparen).
In dieser überreizten, engen Welt ist nicht Geld Luxus, sondern Langsamkeit, Raum, saubere Nahrung und ein nicht-hypnotisierter Kopf.
Es ist möglich, sich der Raserei zu entziehen.
Es ist möglich, sich dem Geldwahnsinn zu entziehen.
Das alles fordert seinen Tribut, aber ist durchaus auszuhalten.

Sich dem entziehen, was man selbst für falsch hält, ist ein Weg.
Die Macht der Konsumenten, zum Beispiel über ihre Entscheidung bei wem sie was kaufen: wer Strom kauft, der aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt wurde, entzieht der Atomindustrie Macht. Wer zwischendurch auch mal Second Hand kauft, egal ob Möbel, Klamotten, Bücher, etc. verringert die Verschwendung von Ressourcen – in jedem heilen, funktionierendem Teil steckt noch Energie, die nicht verbraucht wurde.

Entzug und Verweigerung, als Widerstandsform.
Gar nicht so unwirksam.
Ha, in dieser Welt des Konsums, deren geschmiertes Laufen davon abhängt, dass alle brav konsumieren und sich ständig neue Dinge kaufen!
Denn Kapital muss „fliessen“.
Dann stoppen wir es doch mal. Vielleicht reicht es auch erst mal nur dazu, alles einwenig ins Stottern zu bringen?
Zu grosse Ziele (zu grosse Schritte) können auch lähmen, so paradox das klingt.
Kleinvieh macht eben auch Mist, oder wie sagt das Sprichwort so schön ... Flache Wellen, auch wenn sie sich noch so wenig von der Oberfläche abheben mögen, können sich zu grossen aufschaukeln, wenn sie nur richtig aufeinandertreffen ....

Wirksam wird Entzug natürlich erst, wenn eine kritische Masse von Menschen herangewachsen ist, die die Konsumverweigerung für sich als (eins von vielen) persönlich-möglichen Mitteln entdeckt hat, ihren Beitrag für die „not-wendende“ Veränderung der Welt und der Art des Zusammenlebens der Menschen zu liefern.
Stell Dir vor, es ist Gesellschaft und keiner geht hin.
Der schlimmste Albtraum eines jeden Politikers, hihi.
Sich diesem ganzen Leistungsdruck, dieser Schnelligkeit, dieser Überreizung einfach mal entziehen, staunen würden wir wahrscheinlich über die Wirkung.
Neben der Erholung, die ganz real an den eigenen Körpern spürbar wird, würden es auch als Beben bis hinein in die internationalen Finanzmärkte zu spüren sein.
Das Potenzial des Entzugs: er erzeugt auch Ruhe, und: in der Ruhe liegt die Kraft.
Hoffnung sagt mir, dass sich irgendwann genug Kraft gesammelt haben wird, um neue Ideen über das gesellschaftliche Zusammenleben zur Geburt zu verhelfen. Irgendwann wird das morphogenetische Feld der Menschheit genug mit dem Willen zur Veränderung gefüttert worden sein.

Chaos und Läuterung vor dem Neustart.
Wie ein Gesellschafts-Reset?
Gab es jemals in der Geschichte schon einen Wechsel ohne Unruhe und Chaos?, ich glaube nicht.
Es ist wie ein notwendiges Übel.

Wie gross muss eine kritische Masse werden?
Wie gross der Prozentsatz derjenigen, denen die Aussicht auf das (not-wendende) Chaos, zunehmend egal wird?
50%?, 80 oder 98?
Kritische Massen wachsen langsam.
Nicht verzagen!
Irgendwann entwickelt eine Masse Gravitationskräfte, die den Rest der Mannschaft unweigerlich anziehen.

Für die gesellschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland kam der Zeitpunkt der starken Gravitationskräfte zum Beispiel, als sich im Sommer 89 genügend Menschen trauten, einfach nicht mehr aus ihrem Urlaub aus der Tschechei oder Ungarn zurückzukehren, sondern lieber die westdeutschen Botschaften in diesen Ländern aufsuchten.
Nach diesem Sommer: hier eine Arbeitsstelle nicht besetzt und dort. Viele Bekannte waren aus dem Urlaub wieder heimgekehrt, andere eben nicht.
Alles ganz direkt und spürbar, ohne auch nur ein Medium dazwischen (Presse, Nachrichten).
Sich verstärkende Gravitation.
Die ersten Wirkungen: überall plötzlich nur noch müdes Lächeln auf dem Antlitz des Volkes. Sich verstehende Blicke, ohne dass man drüber reden musste. So sonnenklar, diese Lächerlichkeit der Ereiferungen in der DDR-Presse, über diese Kriminellen, diese „Widerrechtlich-nicht-Zurückkehrenden“.
Immer mehr Menschen trauten sich und fanden die Kraft, sich der Kontrolle zu entziehen und den Innenraum ihrer Köpfe durch Falschaussagen zu schützen.
Wobei wir übrigens schon wieder bei der Wirkung von Entzug wären ....
Weiss ein Individuum um seine Kontrolle, hat es eben auch die Macht zu kontrollieren, welche und wie viele Informationen es von sich selbst preisgibt (und welche eben nicht).
Ich bin mir ziemlich sicher, dass in Diktaturen auf Dauer nur verzerrte Bilder entstehen, wenn der Kontrollapparat versucht, durch Spitzel die Befindlichkeiten des Volkes abzuschätzen.

Was mir dieses System jedoch auch beigebracht hat, und was etwas ist, wofür ich dankbar bin: ich bin unter einem System sozialisiert, in dem Konsum nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat, so dass mich die ganzen bunten Verlockungen meiner jetzigen Welt seltsam kalt lassen.
Danke, ehrlich.
Das macht mir einiges in meiner neuen Welt einfacher.

In dieser engen, gesättigten und dahinrasenden Welt IST nicht mehr Geld das Medium, das Luxus hervorbringt.
Zeitgenössischer Luxus ist
Langsam-sein-dürfen,
möglichst viel natürliches Licht,
Raum (im Sinne von Platz haben) und
Denkkapazitäten im Kopf frei haben (die nicht zugepflastert sind mit Werbung, Information, Ängsten und anderen Dingen im Ein-Minuten-Takt).

19. Jan 2007

(kein Betreff)

Ein sehr empfehlenswerten Film:
„Das Leben der Anderen“.
Eine Auseinandersetzung mit ostdeutscher Geschichte.
Ein ernsthafter Film, ohne bösen Zeigefinger, Siegermoral und Schuld-Duschen.
Er beschönigt nichts, und wird doch auf einer ungewöhnlichen, unerwarteten Ebene ehrlich.
Der Film hat mich aufgewühlt, aber nicht geschockt.
Vielmehr hat sich eine Art innere Gelassenheit eingestellt: ja, so hat es sich angefühlt. Auch wenn das eine seltsame Aussage sein mag.

Wenn meine Augen diesen Film in mein Bewusstsein hineinschicken, stellt sich ein Gefühl im Bauch ein, welches eindeutig zu dieser damaligen Zeit gehört. Und dieses Gefühl ist mit vielem verbunden, aber seltsamerweise eben kaum mit Aufgeregtheit (das Wort ist nicht ideal).
Es gab Dinge in der DDR, die waren eben durch die eigene Person nicht abänderbar, zum Beispiel diese allgegenwärtlich (mögliche) Kontrolle. Sich darüber aufzuregen war verschwendete Energie oder dasselbe wie sich den Kopf an einer Mauer blutig rennen. Das kann man eine Weile vertragen, aber irgendwann schaltet sich eben der Überlebenswille ein. Die Energie konnte schliesslich lieber dafür eingesetzt werden, der Kontrolle zu entgehen oder eins auszuwischen ....
Alles ein Drama, und eben auch wieder nicht.
Um die Kontrolle wusste jeder.
Und: Wissen ist doch Macht!
Das gilt doch quasi für beiden Seiten, oder nicht? ....
Denn, wer um Kontrolle wusste, konnte beginnen, nach Wegen zu forschen, sie zu täuschen oder zu umgehen. So mochte der Stasi-Apparat kurz vor seinem Ende 89 nur noch verzerrte Bilder der tatsächlichen Realität eingefangen haben, weil das Volk sich eben schon lange nicht mehr in seine Köpfe hineinschauen liess. Wenn man wusste was zu sagen war, konnte man dies tun, und dennoch nebenbei etwas anderes denken ....

Viele kleine Wahrheiten in diesem Film.
Wie schnell, und vor allen Dingen: durch was für belangslose Dinge die eigene Person erpressbar werden konnte unter einer Diktatur.
Ganz schnell konnte was passieren.
Ein falsches Wort in ein falsches Ohr hinein.
Und vielleicht hatte dieses Ohr ausgerechnet an diesem Tag auch noch schlechte Laune.
„Sich-etwas-zu-Schulden-kommenlassen“ ist unter einer Diktatur eben ein Begriff, der nach Belieben der Kontrollorgane, ausdehnbar und interpretierbar ist.
Unberechenbarkeit.
Das war das Beängstigende und die Psychokacke bei dem ganzen Spiel.
Man wusste nicht wirklich, ob man abgehört wurde.
Man zögerte und fragt sich, ob die Aufforderung zum Erzählen eines politischen Wtzes ernstgemeint war oder vielleicht eine Falle?

Dieser Film zeigt Menschen.
JEDER Mensch, egal ob (zufällig) in einer Demokratie oder Diktatur geboren, hat seine hellen und dunklen Seiten und IST dadurch manipulierbar.
Selbstillusorisch, wer das verleugnet.
Manipulierbar, entweder durch die Befriedigung von Gier und der Bedienung von Eitelkeiten oder weil man (durch was auch immer)(sozial) erpressbar geworden ist.

Die letztendlich Handelnden sind nicht Ideale, sondern Menschen.
Ideale werden vorgeschoben, um Eitelkeiten zu überdecken.
Der Film macht darauf aufmerksam, das ist seine stille Wahrheit.
Und das war es auch, was mir, nachdem ich ihn gesehen habe, Erleichterung verschaffte. Erleichterung von dieser Kollektivschuld im „bösen“ Osten geboren worden zu sein.
Danke, für die Erkenntnis, dass hier Menschen gelebt haben.

Die Begleiterscheinungen des Menschlichen bleiben analog, egal unter welchem System sie sich abspielen. Die Maske, mit der sich das Gesicht der Menschlichkeit in beiden Systemen belegt, ist/war mal offen hässlich und extrem, mal scheinheilig freundlich.
Aber immer wieder blitzt eben auch wahre, liebende Menschlichkeit hindurch.
Der Ausgleich bzw. die Suche danach, ist ein Grundgesetz, dem sich kein System entziehen kann.
Selbst so ein Kontroll-Monster wie die Stasi konnte es nicht verhindern, dass sich aus ihren eigenen Reihen heraus Menschlichkeit entwickelte. Wo ganz Schlimmes ist, ist eben irgendwo auch etwas Gutes, auch wenn es nur ganz, ganz klein sein mochte.
Ein einzelnes kleines Rädchen.
Ein Offizier, wie er sich vom Belauscher zum Beschützer entwickelt.
Ohne, dass diese Handlung auf einer bewussten Entscheidung seinerseits beruhte, ohne das Ziel der Heldenhaftigkeit. Er rutscht ohne sein Zutun immer weiter.
Egal, wie stark die Kontrolle eben auch quetscht, der Überlebenswille des Menschlichen ist stärker. Auch wenn nur ein einzelnes Rädchen unter Tausenden aufgrund von Menschlichkeit läuft und nicht aus Eitelkeit oder Angst, dann ist dies ein Sieg von Menschlichkeit. Der Offizier kann den Apparat (natürlich) nicht verändern, dennoch konnte er dafür sorgen, dass die Klauen dieses grossen Tieres wenigstens einmal leer blieben, obwohl sie sich bereits aufmerksam geworden nach einem bestimmten Menschen begannen, auszustrecken.

Überall sitzen an den Machtpositionen Menschen – hüben wie drüben, damals wie heute. Und weil das Diabolische an der Macht eben der Umstand ist, dass mit ihrer Verleihung auch gleichzeitig und sich gegenseitig bedingend die Angst um ihren Verlust mitgegeben wird, benutzen MachtMenschen ihre Macht manchmal nicht dazu, Evolution und Entwicklung voranzubringen, sondern nur zu dem Zweck, abzusichern, dass sie ihre Macht nicht wieder verlieren.
Macht, die sich im Kreise dreht und dadurch nicht mehr kreativ / produktiv sein kann.
Aufgrund von Eitelkeiten!
Was für eine Verschwendung!
Es ist zum Haare raufen!

12. Jan 2007

(kein Betreff)

Überwachungsstaat England:
(a) 4,2 Millionen Videokameras landesweit, die auf die Bevölkerung gerichtet sind
und (b) Inhaberin einer der größten und technologisch ausgefeilteste DNA-Datenbank.
Kein anderes Land könnte da mithalten, beobachtete ein Journalist.
Ein großer Freilandversuch staatlichen Generalverdachts gegen seine Bürger.
Neben Rußland, China, Malaysia gehört Großbritannien zur Spitze der Kontroll-Elite.

Funktioniert aber immer wieder nur, wenn das Volk mitspielt.

Die Kameras sind manchmal mit Lautsprechern ausgerüstet.
Der Kontrolleur beobachtet also Passanten.
Zum Beispiel einen, der seinen Müll nicht in den Mülleimer wirft.
Diesen kann der Kontrolleur nun mittels Lautsprecher auffordern, den Abfall bitte in den dafür vorgesehenen Behälter zu entsorgen.
Der Passant nun aber ist unwillig, und geht weiter.
Eine weitere per Lautsprecher übertragene Warnung interessiert ihn nicht.
Wenn er Pech hat und einen eifrigen Polizeibeamten als Beobachter hatte, findet er sich unter Umständen in einer der nächsten Ausgaben der öffentlichen Presse wieder. Ein Porträtfoto führt ja nicht zwangsläufig zu einer namentlichen Identifizierung. Ohne Namen kein Bußgeldbescheid. Und so findet man in den örtlichen Zeitungen mitunter Fotos unbekannter Leute, mit der Bitte ans Volk um Mithilfe bei deren Identifizierung ...
Dies ist keine Theorie, sondern bereits Praxis.

Tja, das liebe, gemeine Volk.
Das ruft dann nämlich tatsächlich an, um bei der Identifizierung zu helfen.
Statt sechs Straßenkehrmaschinen braucht irgend so eine Stadt in Großbritannien nun nur noch zwei Maschinen.
Wenn das keine durchschlagender Erfolg ist!
Arbeitsplätze hat's auch gleich noch hinweggefegt.

Aussage eines Firmenchefs, der PC-Programme für den Überwachungsstaat konzipiert:
"Der Rahmen, den wir uns setzen, ist, abnormales Verhalten zu entdecken, kriminelles und assoziales. Wir wollen den Menschen nicht hinterherspionieren."
Ach so!
Na ja.

In Überwachungsstaaten wird Kritik ganz schnell zu assozialem Verhalten ....

Eine andere Standardberuhigungsmethaper:
"Wer sich nicht zu schulden kommen läßt, braucht auch nichts zu befürchten"
NUR: dieser Begriff ist so SCHRECKLICH anfällig für dehnbare Deutungen.
Siehe oben:
In Großbritannien reichte es, den Müll daneben zu werfen, um derart "kriminell" zu werden, daß Fotos in der Presse veröffentlicht wurden ....

11. Jan 2007

Küchentischpolitik

Sechs der zehn wärmsten Jahre seit Beginn der (neuzeitlichen) Wetteraufzeichnung (100 Jahre), kamen nach dem Millenium, sprich': seit 2000 JEDES Jahr.
Sprich': JEDES Jahr hat das vorhergende überboten, kontinuierlich.
Was habe ich gelesen?, New York, letztes Wochenende 22 Grad?.
In Berlin sollen schon die Kirschbäume blühen.

Liebe Menschheit, sind da die Scheuklappen vielleicht doch langsam etwas (realitäts)durchlässiger geworden?. Verdächtig oft beschäftigt sich die öffentliche Presse in letzter Zeit mit dem Thema Klimawandel (was natürlich zu begrüßen ist!).
Tja, ist es wohl nicht länger zu leugnen (... nach sechs Jahren stetiger Steigerung).
Da müßte man vielleicht langsam mal anfangen, das Volk vorzubereiten, was auf so sie zukommen wird, nicht wahr? ...
Dieses große Grillfest, das die liebe Menscheit nun schon seit langem durch seine exzessiven Verbrauch von Kohle, Öl und Gas veranstaltet, langsam fängt es an unheimlich und unangehm zu werden, nicht wahr? Einbischen Weltuntergang ist wohl bereits jetzt schon nicht mehr zu vermeiden.
Der Winter an den Pol-Klappen kommt drei Wochen später und geht drei Wochen früher. Schmelzende Eisberge = ansteigende Meeresspiegel UND Veränderungen im Süß- und Salzwassergemisch (tödlich für Meeresströmungen) ...

Mal nicht ganz so global, dafür aber sehr lokal:
(ich wohne auf dem Land)
Durch die übermäßige Wärme bzw. die dadurch fehlende Kälte kommt die Natur nicht zur Ruhe.
Dieses Nicht-zur-Ruhe-kommen
IST
bereits ein Schaden, und
IST bereits schon nicht mehr gutzumachen.

Maulwürfe, zum Beispiel, sollten um diese Jahreszeit eigentlich schlafen.
Dieses Jahr jedoch gibt es keine geregelte, 'von oben' verordnete (Kälte)Pause.
So vermehren sie sich und buddeln fleißig weiter.
Manche Wiesen in der Umgebung bestehen nur noch aus schwarzbraunen Maulwurfshügeln.
Aufgebrochene Grasnarben, total aufgelockerte und (durch den Regen) aufgeweichte Böden.
Gehört diese Wiese nun aber einem Bauern, der den Ertrag eigentlich für die Fütterung seiner Tiere benötigt, so hat dieser Bauer dieses Jahr bereits SCHON JETZT verloren, obwohl das Frühjahr noch gar nicht heran ist, und auch nicht der heiße, alles verdörrende Sommer: wo nicht mehr viel Gras ist, kann eben auch nur noch "nicht mehr viel" Gras geerntet werden.
Die Wiese müßte sozusagen neu angelegt werden, und zwar sofort.
Tja, geht aber leider nicht, weil die Maulwürfe ganze Arbeit geleistet haben unter diesen 'hervorragenden' Bedingungen. Den Rest hat die Feuchtigkeit besorgt. Aufgemanschten Felder, unbefahrbar, selbst für landwirtschaftliches Gerät. Und gelänge auch die Saat, Frostgefahr besteht dennoch - wir haben schließlich erst Anfang Januar!
Nebenei: eine frisch angesäte Wiese wird im ersten Jahr lange nicht den gleichen Ertrag einbringen wie eine in Jahren gemütlich vor sich dahin gewachsene Wiese
- also: Futter fehlen wird dem Bauern in diesem Jahr in JEDEM Fall.

Es gibt Pflanzen, die werden im Herbst gesät (und fangen dann auch noch an zu wachsen), um gleich im Frühjahr eine Ernte zu haben. So hat man zwei Kreisläufe innerhalb eines Jahres, denn im Herbst kann ja nochmal geernet werden (Roggen, Weizen, Raps z.b.).
Diese Pflanzen nun können aber nur überwintern (Minusgrade überstehen), wenn ein gewisses Verhältnis im Körperbau der Pflanze gewahrt bleibt. Dieses Verhältniss wird eingestellt durch die (normalen und dieses Jahr eben ausbleibenden) Temperatur- und Lichtverhältnisse.
Solange die Wurzel größer bleibt als der grüne Trieb oberhalb des Bodens, überlebt die Pflanze Frost und kalte Temperaturen. Die Temperatur und das Maß des Lichtes sagen der Pflanze: Stopp. hör auf zu wachsen!
Nun, dieses Jahr kommt diese Ansage nicht ....
So sind die Pflanzenkörper oberhalb des Bodens bereits jetzt zu groß.
Würde es dieses Jahr (trotz allem) also nochmal frieren (2-3 Nächte reichen), kann man schon jetzt feststellen: die Ernte im Frühjahr könnte mager werden.

Kommt dann noch der (von einer britischen Studie vorausgesagte) heiße Sommer dazu, steht auch im Herbst eine Mißernte an - falls nicht eh' gerade die Stürme dabei sind, alles Gewachsene zu zerdonnern ....

Ich habe neulich von einer Region Ausstraliens gehört, die seit fünf Jahren unter eine Dürrezeit zu leiden hat. Die Erde kann kein Futter mehr produzieren, für die Schafe, die dort früher geweidet haben. So gucken die, dort reihenweise vorhandenen Schafzüchter in die Röhre. Mittlerweile so verzweifelt, daß die Regierung es sich leisten muß, Psychologen übers Land zu schicken, damit ihnen die Bauern nicht durchdrehen.
Hallejua.

8. Jan 2007

How to install LIEBE.exe?

ANRUFER:
Hi, ich habe hier ein neues Programm, das würde ich gerne auf meinem persönlichem Rechner installieren. Es heußt LIEBE. was soll ich machen?
HOTLINE:
Auf Ihrer Festplatte gibt es eine Partition "Herz". Haben sie die?
ANRUFER:
Ach so!, das ist der Trick. Ich habe es immer auf der Hauptpartition "Kopf" versucht. Ich probiere das mal ....
Mist, "Herz" ist aber ziemlich voll!
HOTLINE:
Machen Sie den Taskmanager auf und schauen Sie unter "Prozesse" nach.
ANRUFER:
alte-verletzungen.exe, groll.com, geiz.com, ablehnung.exe - lauter so ein Zeug. Das krallt sich fast den ganzen Arbeitsspeicher!
HOTLINE:
Kein Problem, LIEBE wird vieles davon automatisch aus Ihrem Betriebssystem heraushauen. Manches bleibt zwar im Hintergrund aktiv, wird aber keine weiteren Störungen mehr verursachen. alte-verletzungen.exe und geiz.com müssen Sie aber selber vollständig löschen.
ANRUFER:
Das hat mich aber Jahrzehnte gekostet, all diese Komponenten zu sammeln! Muß das wirklich sein?
HOTLINE:
Ja!, das ist unumgänglich. Gehen Sie ins Startmenü und suchen Sie "Zubehör/Verzeihung". Das lassen Sie nun so oft laufen, bis geiz.com und alte-verletzungen.exe raus sind.
ANRUFER:
Na gut!, wenn es sein muß .... LIEBE ist mir einfach so sehr empfohlen worden, dieses Programm will ich unbedingt haben!
Ohje - "Error 490 - Programm läuft nicht auf interner Komponente"
Was soll denn das?
HOTLINE:
Ein altbekanntes Problem ... Es bedeutet, dass LIEBE für "externe Herzen" konfiguriert ist, aber auf Ihrem eigenen "herz" ist es noch nicht gelaufen. Das ist eine von diesen ganz komplizierten Sachen! Ich sag es mal so: Sie müssen zunächst Ihr eigenes Gerät lieben, bevor es andere lieben kann.
ANRUFER:
Wie bitte???
HOTLINE:
Können Sie den Ordner "Selbstakzeptanz" finden?
ANRUFER:
Ja, hab ich!
HOTLINE:
Wunderbar! Klicken Sie auf die folgenden Dateien und kopieren Sie die in den Ordner "Mein Herz": selbstvergebung.doc, selbstschätzung.doc, güte.txt. Außerdem bitte selbstverurteilung.exe aus allen Ordnern löschen!
ANRUFER:
Wow!, LIEBE installiert sich schon!
HOTLINE:
Das ist gut! Nun sollte eine Nachricht auftauchen, daß sich LIEBE immer wieder selbst lädt, solange Ihre "Herz"-Festplatte läuft. Sehen Sie die?
ANRUFER:
Sehe ich! Ist die Installation nun abgeschlossen?
HOTLINE:
Ja, aber denken Sie daran, dass Sie nur die Basisversion installiert haben. Sie müssen sich mit anderen Herzen vernetzen für weitere Upgrades.
ANRUFER:
Klasse! "Mein Herz" lädt gerade eine wunderschöne Melodie. Auf dem Bildschirm läuft lächeln.mpeg.
wärme.exe, friede.exe und zufriedenheit.doc sind jetzt im Speicher.
HOTLINE:
Fein! Damit ist LIEBE installiert und läuft ab sofort.
ANRUFER:
Jetzt brauchen Sie bestimmt meine Kontonummer, stimmt's?
HOTLINE (lacht):
Nein!, LIEBE.exe ist FREEWARE. Geben Sie das Programm bitte an jeden weiter, den Sie treffen. Diese Leute verbreiten es dann auch weiter und ich wette, dass sie von den vielen neuen Modulen etwas zurückbekommen!

3. Jan 2007

Deutsche Regelwut

Unter anderem, typisch deutsch sind (a) Autobahnen und (b) schnelle Autos. Für alle, die mit den deutschen Autobahnen nicht vertraut sind: es gibt keine Geschwindigkeitsbegrenzungen.
So ärgert sich der Fahrer der Mercedes-S-Klasse immer wieder, daß seinem Prestigeobjekt nicht genügend Platz eingeräumt wird und immer wieder langsam fahrendere Autofahrer, die mit 140 km/h auf der Überholspur sind, sich seinen 250 km/h in den Weg stellen.
Auweia.
So muß der Arme aufblinken und drängeln, um seinem Bedürfnis nach Geschwindigkeitsrausch fröhnen zu können. Abgesehen davon, daß 250 km/h an sich eine absurde, unkontrollierbare Geschwindigkeit ist, hat diese Drängelei auf den Autobahnen bereits zu tragischen Unfällen geführt, so daß das Bedürfnis, eine Regel zu schaffen, die diese Drängelei hart bestraft, verständlich sein mag. So gilt ab 1.1.2007: Wer drängelt bekommt 4 Punkte im Verkehrsregister, hat 3 Monate Fahrverbot und muß noch 250 Euro Strafe zahlen.
So weit, so gut.
Lieber Raser: schnell vorankommen können Sie in Zukunft trotzdem, und ja: Sie können dabei sogar noch SPAREN. Überholen sie doch einfach verbotenerweise auf der rechten Fahrspur, anstatt auf der linken zu drängeln! Das kostet Sie nur 50 Euro, 3 Punkte und Fahrverbot gibt es gleich gar keins. Oder Sie benutzen gleich den Standstreifen neben der Autobahn für ihre Überholmanöver: 50 Euro, aber nur 2 Punkte! Sie schlagen 3 Fliegen mit einer Klappe: Sie hätten niemanden bedrängt, hätten Ihre Nerven und die der anderen Fahrer geschont und Sie sparen auch noch bares Geld.
Haben wir nicht tolle Gesetzgeber???
Aber halt, es gibt noch etwas, was das Ganze topt: benutzen Sie doch einfach unerlaubterweise ein Martinshorn & Blaulicht - jeder Autofahrer wird Ihnen ausweichen, weil es die Vorschriften so vorschreiben. Diese widerrechtliche Benutzung kostet Sie nur 20 Euro und sonst nix.
Dazu fällt einem doch NIX mehr ein.

6. Nov 2006

Ahnen-Kontakt

Blickwinkel: Irreal

Nie endet die Reise irgendwo.
Immer kommt sie in einem anderen Körper zum Stehen.
Ist mein Ich auch schon angekommen?
Mein Herzschlag.
Die Augen beginnen zu sehen.
Was für ein Tag ist heute?
Wie ist das Wetter? Wo bin ich?
WER bin ich?
Luft in mir, die wirbelt und sich zaghaft zu Gedanken formt.
Vor mir, auf dem Boden liegt jemand.
Tot?
Unbeweglich.
Wo kommt der her?
Meine Aufmerksamkeit weiß nicht, wohin sie sich wenden soll mit ihrer Frage.
Tote reisen durch die Zeit, wenn sie nicht zur Ruhe kommen.
Triefend vor Wasser, ist der Boden dunkel eingefärbt.
Also ist es feucht gewesen, da wo er gestorben ist?
? Ich soll ihn begraben ?
Meine Intuition nickt.
Na wunderbar.
Meine Ohren nehmen ihre Arbeit auf und vernehmen Geräusche.
Menschen. Ähmm, ich meine, lebende Menschen.
Wo kommen die so plötzlich alle her?
? Ob ich daran gedacht habe, daß heute Karneval ist ?
Der Tote, getrocknet und geschminkt.
Seine Uniform, ausgezogen.
Seine Totenbahre, zwei Stäbe, dazwischen buntes Leinentuch.
Karneval?
Meine Intuition nickt.
Wunderbar!, nichts ist unauffälliger an so einem Tag.
So schreiten wir als Trauerprozession verkleidet durch die trunkene und feiernde Stadt.
Niemand fragte auch nur ansatzweise nach.
Unten im Hafen charterten wir ein Boot.
Zwei Frauen als Besatzung.
Eine Greisin, am Steuer.
Daneben eine junge Frau, silberfahl im Schatten der Alten.
Sie wissen, worum es geht. Vor einer Enttarnung müssen wir uns nicht fürchten.
Wir verlassen den Hafen.
Irgendwann scheinen wir weit genug.
Die Meeresoberfläche, wie ein Spiegel.
Kein Wind mehr.
Keine Geräusche aus der feiernden Stadt.
Ganz ungeplant landen sämtliche Blicke beieinander.
Das Finale, am Ende ganz unspektakulär:
Die Bahre gleitet hinab ins Meer.
Eine Welle von Ringen auf des Spiegels Oberfläche.
Konzentrisch weitet sich alles zum Horizont.
Ich löse mich von der Prozession.
Aus dem Steuerhaus des Bootes kommen mir die Blicke der alten Frau entgegen.
In der jungen erkenne ich mich plötzlich selbst.
Trifft man auf einer Reise sein eigenes Ebenbild, so ist dies wie die Tür zur nächsten.
Ich gehe auf mich zu, und über meinem Kopf
filter sich
aus blauer Wasserluft
ein violetter Nebelschleier.
Dort erscheint der Schlüssel für die nächste Tür.
Dann stehe ich ganz vor mir.
Und schaue mir in die Augen.
Berührung würde uns wieder verbinden.
Meine Hände auf ihre Schultern legend,
tauche ich in mich hinein.
Es kribbelt und verflüssigt sich.
Ein Strudel zieht sich durch mich hindurch,
und ich beginne mit meinen neuen Augen zu sehen.
Die Frau neben mir: meine Großmutter.
'Das Schiff, auf dem Dein Großvater war,
wurde vom Krieg verschluckt.
Nichts von ihm haben sie mir zurückgebracht.
Verstehst Du?, die Ehrenurkunde: das Papier kam ohne seine Seele.
Du hast ihn gefunden und für mich begraben.
Das Netz, das die Vergangenheit knüpft,
ist nun wieder in der Gegenwart geankert.'
Sie läßt das Steuer los.
Da darf ich das Boot wohl jetzt wieder selber fahren?

1. Nov 2006

Logbuch

Blickwinkel: Gegenwärtlich



Tiefdruckkgebiet 'Britta' schaufelt
sturmböen-weise
kalte Polarluft nach Mitteleuropa.
Tagsüber: vielleicht 5°C ?
Heute Nacht geht's mit Sicherheit unter Null.
Ein kalter Polarfurz.
Aber, diesen Sturm, den lobe ich mir.
Im Wald rauscht er wie ein Meer
über mich und die Baumwipfel hinweg.

Außerdem:
Zeitumstellung.
Bedeutet: 16.30h Dämmerung.
Ab 17.30 gibt es das nächste Licht erst wieder nach dem Schlafen.
Bis zur Wintersonnenwende braucht's noch anderthalb Monate!
Noch 52mal: jeden Tag einbischen weniger Helligkeit.

Der Wind, wie er ums Haus fegt.
Das macht mich häuslich.
Der größte Teil meiner Mitbewohner ist Äpfel ernten, um morgen Saft zu pressen.
Obwohl kein Sonntag ist: da ist Kuchen im Ofen!
Wenn die anderen wiederkommen,
gibt's eine warme Küche nebst Kerzenlicht,
warmen Apfelkuchen und Tee.

31. Okt 2006

Traum - Im Bauch der Schildkröte

blickwinkel: traum


ich sehe den hüter des feuers,
der die flammen richtet, um sie heiß zu machen.
goldene sternschnuppen,
die gegen den blätterhimmel laufen.


eine frau tritt an meine seite,
legt mir ihre warme hand auf meinen arm.
nichts in der nähe,
von dem licht herüberfallen könnte,
keine fremde stadt mit ihrer glut am horizont.
da ist wind,
und er spielt mit meinem körper.
ich weiß nicht, wieviele steine in dem feuer liegen,
einige beginnen bereits, zu glühen.


ich fühle mich berauscht.
neben den feuer,
ein kleines iglu aus fellen und decken, kaum hüfthoch.
ich knie vor dem eingang nieder.
die frau ist vor mir in die dunkelheit gekrochen,
nicht ohne vorher meinen körper mit einer feder zu reinigen.

der hüter des feuers reicht die glühenden steine durch den eingang,
die frau übernimmt sie,
mit den geweihstücken eines wilden tieres.
wir schweigen.
in der mitte der hütte ist eine vertiefung, in die sie die gevatter legt.

gereinigt durch das feuer,
werden sie flammenloses licht in der dunkelheit der hütte.
rotglühend. pausbäckig.
kreisförmig streut die frau getrocknete kräuter auf die glühenden steine,
jedes einzelne gleißend wie kleine sonnen im moment der berühung.

im bauch der schildkröte.
eingeschlossen und ohne licht,
und doch alles voll glühender kaskaden.


die frau gießt wasser über die steine,
und dunkelrote muster legen sich über die gevatter.
dann sind die steine in der dunkelheit verschwunden.
die hitze schießt mir gegen die haut,
die überraschung läßt mich wimmern.
wasser dringt mir aus allen poren.
die luft brennt.
ich muß meinen atem so flach stellen,
daß ich angst bekomme, zu ersticken.
bald wird mir davon schwindlig.
wie ein kleines kind, wiegt es mich hin- und her.
anders ist es nicht mehr auszuhalten.
ich sacke zur erde.
sie kühlt mich mit ihrem nassen schlamm.
langsam.
langsam atmen.
meine augen, schon lange geschlossen.
meine körperverhältnisse, irrational verschoben.
meine hand, kilometerweit entfernt,
mein kopf,
groß wie die ganze erde.
ihr ganzes wissen,
in ihm.

die tür der hütte wird geöffnet.
die kühle der nacht verwandelt das wasser in der luft
schlagartig zu einem rauschenden nebel.
ich kann den widerschein des feuers erkennen.
rot glüht durch weißen wolken.

später, mein dampfender körper im taufrischen gras,
frei atmend. warmes herzklopfen.
ich strecke meinen körper aus,
um mich in die erde hineinsinken zu lassen.
berauscht,
von dem würzigem geschmack der luft.
ich stehe auf und ziehe meinen körper richtung himmel.
meine wahrnehmung verbindet sich mit diesem meer aus lebensfarbe,
die augen erden sich mit tränen.
noch nie habe ich so eine achtung vor dem leben gehabt.
dieser neue geschmack, so würzig.
mein körper, dampfend vor frischem leben.

30. Okt 2006

Meditative GemeinschaftsFliegerei

Blickwinkel: Gegenwärtlich


Mein erster Eindruck heute morgen: Nebel
( ... inzwischen hat sich alles schon wieder gehoben).
Mein erstes Geräusch:
das Geschnatter hunderter Zugvögel, die sich dem Haus näherten.
Ich sehe nichts.
Die Glocke, die mich umgibt,
hat einen Durchmesser von vielleicht vierzig Metern.

Die Feuchtigkeit in der Luft macht die Akustik surreal,
mich ans Meer erinnernd, wo ich geboren bin.
An gedämpfte Schiffshupen und diffus aufleuchtende Leuchttürme. Möwen.
... aber Möwen sind wirre Flieger, viel zu nervös,
zumindest in der Nähe vom Strand.
Ihr majestätisches Gleiten entwickeln sie erst über fahrenden Schiffen.

Zugvögel hingegen sind sehr speziell.
V-formationen völlig im Einklang fliegender Vögel, bishin zum Flügelschlag.
Das baut eine Luftwelle auf, die sie vor sich herschieben,
die nicht mit der Haut zu erfühlen ist, jedoch mit dem Bauch.

... das kriegen Möwen tatsächlich nicht hin!
In Landnähe sind sie gierig,
und viel zu einzelgängerisch für die meditative Gemeinschaftsfliegerei.

Heute morgen, irgendwann wird das Geräusch der Zugvögel voller.
Das hohe Sirren ihrer Flügelschläge kommt dazu.
Zu sehen sind sie immernoch nicht.
Dieser Nebel ist wie eine Glocke.

Dann, plötzlich, sind sie über mir. Fünfzehn Meter hoch.
Knapp übers Haus hinweg, und die vier Kastanien, die daneben stehen.
Die Bugwelle, die sie mit ihrem Flügelschlag formen,
erreicht meine Haut, und legt diese ebenfalls in Wellen.
Es ist nur ein kleiner Schwarm.
Ein paar Sekunden, dann ist das Schauspiel wieder vorbei.
Die Welle verebbt.
Ihre Schnattergeräusche gehen als letztes.

Seltsamerweise löst es kein Fernweh in mir aus,
es verursacht kein blutendes Herz,
wie bei den meisten anderen Menschen.
Es ist das Gegenteil.
Meine Fußsohlen glühen,
weil mich dieser Eindruck so unglaublich erdet.

28. Okt 2006

Rückblendend: canada (3) - der zündschlüssel dreht sich

toronto, 25. mai 1998

morgens, 7.30
das gefühl, auf reisen zu sein,
ist endgültig zwischen meinen zellen angekommen.
ich bin aufgewühlt, nervös.
heute gehts's auf die straße.
noch nie in meinem leben bin ich auf diese art gereist.
mir ist mulmig, gleichzeitig ist da soviel mut.

ich habe unser frühstück vorbereitet und sitze in der 14. etage am offenen fenster.
einer feiner maschendraht sichert es. damit auch niemand runterfällt.
natürlich kommt mir sofort die assoziation eines gefängnisses.
an diesem morgen mag das nicht so recht passen.
wir sind frei.
das einzige, was wir für diesen tag wissen, ist die richtung,
in der wir die stadt verlassen werden.
ich wünsche mir laute musik,
damit mir meine nervosität nicht zum krampf gerät
(... die küche wäre groß genug zum tanzen)

diese reise.
wird sie mir zeigen,
wofür ich meinen gefundenen lebensmut verwenden soll?
zwei monate leben auf der straße.
nichts ist chaotischer als unser reiseplan.
nicht eine feste buchung. keine adresse, außer in calgary am anderen ende des kontinentes.
mir haben die knie geschlottert, die tage bevor es losgehen sollte.
ohne plan ab in die ungewissheit,
was anderes macht ein lsd-trip auch nicht mit einem.
wohin wird mich dieser trip führen?

27. Okt 2006

rückblendend: canada 98 (2) - das licht geht an

canada, toronto,
24. mai 1998


mir gerät die wahrnehmung
immer wieder in seltsame zwischen-zustände hinein.
ich pendel, hin und her.
dazwischen freier fall und kribbeln im bauch.
bekannt und unbekannt durchdringen einander,
auf eine art und weise,
die alles surreal erscheint läßt.
das, was es jedoch surreal macht, bleibt noch unbenennbar.

das eine sorgte dafür, daß man sich noch gar nicht abgereist fühlte,
weil alles eben wie zu hause schien - modern, kapitalistisch.
das andere, unbekannte hingegen
war und ist subtil und so versteckt,
daß es noch nicht bis zu meinem bewußtsein durchdringen konnte.

erst, nachdem ich mir die dinge ein-, zweimal anschaue,
geht mir oft ein licht auf.
die geräuschkulisse.
sie sirenen hören sich an, wie in hollywoodfilmen.
dies aber ist die realität.
die telefone klingeln anders.
die bedienungsknöpfe am kochherd sind an einer stelle,
die meinen gewohnheiten widersprechen.
auch hier werden die menschen durch schilder- und farbsysteme durch ihre stadt geleitet.

mein englisches sprachvermögen gleicht einem schulenglisch,
welches sich jahrelang nur durch das verstehen von dahin-genuschelten songtexten üben durfte
(also quasi gar nicht bzw. kaum alltagstauglich).
so ist die sprache für mich momentan etwas,
was nur intuitiv auf mich einwirkt.
eine vor sich dahinplätschernde geräuschkulisse.
ein anderes, fremdes singsang, das trotzdem eindeutig werden läßt,
ob alles freundlich gemeint war oder böse,
fragend oder bestimmend ....

guten morgen, toronto!
die erste mütze schlaf auf diesem kontinent hat mich zutiefst ausgeschlafen aufwachen lassen.
ich fühle mich wach, offen und konzentriert.
und da die englische sprache eben noch nicht zum reportoire meiner zunge zählt,
geht meine kommunikation kaum nach außen.
dennoch, oder gerade deshalb?:
alle meine sinne, voll da,
auf input eingestellt.

hier. heute. jetzt.
nach jeder nuance in der luft tastend.

gegenwart mag immer unfaßbar bleiben.
in der sekunde, in der man sich ihrer gewahr zu werden glaubt,
ist sie auch schon wieder um die ecke.
das, was gestern zukunft war,
ist plötzlich heute.
und bevor man dies bemerkt, wird es auch schon wieder morgen sein.

gestern war ich den ganzen tag in der luft.
heute sitze ich, immerhin noch 22 stockwerke hoch,
auf der dachterasse eines studentenhotels und blicke über toronto.
heiße luft drückt sich an der hausfassade nach oben,
und trifft mich im gesicht.
mein blick hat viel platz und segelt auf diesen fremden planeten hinab.

zwischen riesigen hochhäusern stehen 3 - 4stöckige mietshäuser.
ein optisch äußerst surrealer eindruck.
von hier oben, von der terasse aus gesehen,
wirkten sie, durch den aberwitzigen höhenunterschied zu ihren nachbarn,
wie eingegraben.

toronto hat genausoviel einwohner wie hamburg.
so, wie sich die stadt selbst jedoch präsentiert,
erweckt es den anschein,
als lebten hier mindestens doppelt so viele.
gestern abend, nach unserem check in,
haben wir uns noch durch die stadt fließenlassen.
überall menschen auf der straße.
taghell.
alles.

die leuchtreklamen, die deutschland kennt,
sind niedriger angebracht.
hell wird es auch, aber die nacht verliert nicht an gemütlichkeit.
so weit oben ausgeleuchtet,
erst auf höhe der fünften, manchmal zehnten etage,
geht das schützende dunkelblau der nacht verloren und wird ersetzt
durch blinkende, bunt-nervöse farbkasskaden.

die menschen, unter diesem licht,
aufregend, aber auch unecht und schon wieder:
wie im kino.

wiebke und ich, zwei kleine tropfen in einem glitzernden fluß.
wir fallen überhaupt nicht auf.
wir laufen nicht nebeneinander, sondern mit abstand.
trotzdem gehören wir eindeutig zusammen.
wir reden nicht und auch unser augenkontakt hält sich in grenzen.
wir verlassen uns auf das rechtwinklige,
orientierungs-hilfreiche straßensystem nordamerikanischer städte,
auf das jeder deutsche reiseführer nicht vergißt, hinzuweisen,
und verlaufen uns doch fast dabei.
egal.
es ist alles so egal.
wir sind auf der suche.
wir haben keine ziele.
beide saugen wir, jede für sich und auf ihre art, diese welt in uns hinein.

26. Okt 2006

rückblendend: canada 98 (1) - überflug

in der Luft, irgendwo über nordamerika,
23. mai 1998


vielleicht war es doch keine so gute idee,
ausgerechnet die nacht vor unserer abreise durchzumachen.

wir sitzen im flugzeug nach toronto und haben unser drittes umsteigen hinter uns.
meine knochen tun nicht weh, aber sie sind unglaublich weich,
fast wie nicht mehr vorhanden.
ich kann kaum noch sitzen.
die gedanken in meinem kopf: alles kurz angebunden.
lauter angefangene gedankenfetzen,
die sinnlos im raum rumstehen
und nicht mehr abgeholt werden von meinem verstand.

dazwischen: bilder.
ganz viele bilder.

... so hinkt also mein verstand bereits dem körper hinterher?
ich glaube, er hat mich irgendwo über minneapolis verlassen.
denken: kaum noch.
nur noch augen auf und: wahrnehmen.
aufsaugen.
meine seele?,
wahrscheinlich hat sie heute morgen lieber ausgeschlafen!
jedenfalls ist sie nicht hier,
um mir beim einordnen all dieser reize zu helfen.
ich nehme an, sie sitzt in hamburg, im bett
und wundert sich, daß es so kalt geworden ist.

abgefüllt mit
schnelligkeit, anweisungen, menschen,
linien und farben, denen man folgen soll, um sich nicht zu verirren,
gesichter, gerüche, geräusche,
all diesen ganzen reize, die flughäfen so zu bieten haben.

mein speicher ist voll.
ganz einfach VOLL.
kein raum mehr übrig.
auch nicht für den kleinsten gedanken,
um ihn nachdenkenderweise durch's gehirn zu schieben.

( es war WIRKLICH keine gute idee,
vor einem 18h-flug nur 4 stunden zu schlafen! )

hamburg-amsterdam.
amsterdam-minneapolis.
minneapolis-toronto.

unser check in-stewart in hamburg:
ein einziges grinsen.
kein aufdringliches "womit-kann-ich-dienen-lächeln".
mehr sowas wie ein "euch-kenn-ich-doch-gesicht".
meine freundin und ich brauchen ein paar sekunden
bis es in uns, erinnerungstechnisch, rattert
(... vielleicht die party am letzten wochenende?).
danach grinsen wir alle drei,
nun jedoch gemeinschaftlich-wissend.
drei freaks.
einer am arbeiten.
die beiden anderen am beginn einer reise.

er schien noch nicht lange im service zu arbeiten.
für die sonderbehandlung, die er uns zukommen ließ,
mußte er immer wieder, sich vergewissernd, im handbuch nachsehen.
danach waren unsere plätze jedoch netterweise zu fensterplätzen umgebucht.

unsere nervosität: in grenzen.
als diplomierte großstadtkinder hatten wir es gelernt,
schildern und leitsystemen zu folgen.

fliegen ist so verdammt surreal.
der flug über den atlantischen ozean. Für die augen ändert sich nichts.
nur die zeit vergeht.
und: dann landet man auf der anderen seite, nur um dort festzustellen:
sie (die zeit) ist doch noch nicht vergangen !
( .... zumindestens nicht so schnell, wie es sich anfühlte ....)

mein körper.
meine augenlider.
offensichtlich nicht mehr zu halten.

ich BIN bereits auf einem anderen kontinent!
6600 km.
mit verdammt viel wasser dazwischen,
von hier aus würde ich kaum zu fuß zurücklaufen können.

scheiße.

ich kann es kaum glauben.
ich bin einfach zu müde.
diese erkenntnis paßt nicht mehr in meinen kopf hinein!

24. Okt 2006

... alles, was die Ahnen von uns möchten: Immer schön die Fenster putzen!

Blickwinkel: Gegenwart
Seelenfilter: Jahreszeitlich Skorpionisch-transzendent

Man ehrt seine Ahnen, in dem man das eigene Bewußtsein in Richtung Zukunft ausrichtet.
Der Aufenthaltsort der Ahnen mag in der tiefen Vergangenheit liegen.
Doch auch ihre Räume werden Fenster haben, durch die sie sehen.
Dahinter ist die Zukunft.
Sie wollen gar nicht, daß man ständig nach hinten schaut.

Im Sinne der Ahnen:
Sich selbst in Richtung Zukunft weitergeben.

Wie leitet man sich selbst in die Zukunft weiter?
Durch Handlungen?
Durch Kinder?
Durch Unbelebtes, was man hinterläßt?


Weil meine Ahnen, alle schön nacheinander, existiert haben, lebe ich.
Ich lebe, weil durch ihr Dasein Prozesse am Laufen gehalten wurden,
an deren Ende mein Körper steht.
Mit mir selbst darin.
Mein Körper mit mir.

Irgendwann im Winter 72 schien, zusammen mit der damaligen UmWelt, der richtige Zeitpunkt für meine Seele gekommen zu sein, sich ins Leben hineinfließen zu lassen.
Durch irgendwas, was ich nicht erkennen kann (und auch nicht muß) schien in jenen Tagen alles wie geschaffen für die Aufgabe, die sich meine Seele für das neue Leben vorgenommen hatte.
Wohlbemerkt: dem Gehirn des neuen Körpers ist es bis jetzt noch nicht gelungen, den Inhalt jener Aufgabe zu entziffern
(... doch meldet der Bauch immer wieder, daß wir uns nähern).

Weil meine Ahnen etwas in Richtung Zukunft weitergegeben haben, existiert mein Ich im Hier und Jetzt. Fängt es beim ersten Atom an oder bei der ersten Zelle, der es gelungen war, sich weiterzugeben? Geht es bei den Tieren los?, vorausgesetzt, man ist überhaupt Darwinist ....

EGAL, denn: Ihre Kraft und (hoffentlich) ihre Liebe & Lebenswillen haben bis zu mir geführt.
So mag das, was sie von mir erwarten dürfen, sein, daß ich weitergebe: Kraft, Liebe, Lebenswillen.
In welcher Form auch immer.
Komme ich dem nach, dann ehre ich meine Ahnen.

Das eigene Selbst, ein Mittler.
Das, was in der Mitte ist.

Ich bin das Fenster,
durch das sich meine Ahnen den Blick in Richtung Zukunft erhalten.
Wie erhalte ich das Glas durchsichtig und glasig?
Wodurch kann es milchig werden?
Was ist, wenn das Glas zerspringt?

Immerschön alles neugierig nach vorne ausrichten.
Die Ahnen wollen schließlich 'Zukunft' sehen.
DAS ist es, was wollen!

Zukunft ist sowas wie ihre Seifenoper!, und nach der sind sie süchtig, wie jeder normale Ahne ....
Ich, du, wir, er, sie, es.
Wir sind das Medium, durch das hindurch sich diese Seifenoper ganz von alleine produziert.

20. Okt 2006

Küchentisch-Politik

Blickwinkel: Gegenwart
Seelenfilter: Skorpionisch bitter-süß, küchentisch-politisch

Am Frühstückstisch.
Der Himmel ist bedeckt.
Die Küche ist bereits geheizt, alles ganz gemütlich.
Selbst der Farbton des Himmels,
und das diffuse Licht, welches er erzeugt.
Keiner da.
Automatisiert, weil seit Jahren so am Ablaufen:
Wasserkocher an. Brot in den Toaster. Teekanne vorbereiten.
Zum Kühlschrank latschen.
Alles auf'm Tisch zusammenräumen.
Den Tee nicht vergessen, sonst wird er bitter.
Hingesetzt.
Beine hochgelegt, auf den nächsten Stuhl,
Zeitung aufgeschlagen,
Bewußtsein auf: für die Informationen, die sich von der Außenwelt in mich hineinspülen wollen.

Einmal in der Woche materialisiert sich hier eine Wochenzeitung im Briefkasten - das allein mag schon das Gefühl vermitteln, man lebe auf einem anderen Planeten. Studiere ich den Inhalt, komplettiert sich dieser Eindruck.
Ich fühle mich so verdammt weit weg.
Von dieser ganzen Gesellschaftssuppe da draußen.
Obwohl es mich betreffen sollte: aber ich fühle nichts.

Bis auf ein müdes Lächeln, das ich nicht unterbinden konnte:
diese seltsame Unterschichtendebatte in Deutschland. Unsere Politiker, die aus allen Wolken zu fallen scheinen, daß es sie überhaupt gibt.
Ja, Hallo erstmal und Guten Morgen, liebe Realität!

Mein Lächeln ist müde.
Staat, Glaubhaftigkeit und Politik.
Ich durfte jetzt schon auf zwei Gesellschaftssysteme blicken.
Beide antipodisch, und beide doch deutsch.
17 Jahre Diktatur des Proletariats,
nun weitere 17 Jahre die Diktatur des Konsums.

Bin ich gelangweilt?

Langeweile konnte man unter der Diktatur des Proletariats gut studieren:
keiner, der es nicht je erlebt hat, wird sich die klebrige, einschläfernde Ödnis vorstellen können, mit der sich bei öffentlichen, politisch-sozialistischen Reden der Raum durchtränkte.
Bevor mit der korrekten Bezeichnung des politischen Amtes aller im Raum Anwesenden abgeschlossen werden konnte, war man schon eingeschlafen.
Die haben so oft diesselben Reden gehalten.
Am Ende ging's nur noch lallend. Wie ein Tonband, das zu oft abgespielt wurde.
Und?, was haben mir also die ersten 17 Jahre meines Lebens bezüglich des Themas Politik, ihrer Realitätsbezogenheit und Glaubwürdigkeit beigebracht?:
Das dümmste und überflüssigste, womit man seine Zeit verschwenden kann, war:
Politikern zuhören.

Ehrlichgesagt, und so aus dem Mund eines alten Diktaturhasen gesprochen
... kleiner Scherz):
Die Vorgehensweisen meiner neuen Diktatur sind durchaus auch ausgeklügelt und wirksam. Die Analogie zwischen Altem und Neuen: Kontrolle erfolgt immer über Angst.
Früher bestand die Angst darin, daß man nicht wußte, ob man abgehört wurde oder nicht. Heute weiß man nicht, wielange einem der Job erhalten bleibt.
Die neue Diktatur beweihräuchert das Kapital und seine Vermehrung.
Die Angst wird hier eben mit anderen Dingen erzeugt - mit drohenden Job- und Statusverlusten. In der Welt des Kapitals macht nicht nur der reale Verlust von Geld arm, sondern bereits der Verlust von Status (z.B. keine Arbeit mehr zu haben).
Etwas, was mir irgendwie fremd ist.

Das einzige, was sie hier noch besser hinbekommen haben:
... sie haben dem Volk gleich die Mittel zur Selbsthypnose und Selbstablenkung mitgeliefert: Konsum.

Auweia, mit dieser Aussage bin ich bestimmt ein ganz böses Kind,
oder bauernschlau
oder küchentischphilosophisch.
Ich undankbare Ossitante, ich.
Zumindestens durch die Brille der Analogie:
es ist doch schon wieder eine Diktatur, oder nicht?,
nur das keine konkrete Person dahinter steht, sondern so etwas Virtuelles wie Geld. Ist das skuril, oder nicht?

'Diktatur' ist ein Unwort.
Es darf natürlich von so einer alten Ossitante wie mir nur hinter vorgehaltener Hand und auch möglichst nur in Richtung (östlichen) Teppichrand ausgesprochen werden.
Die Kommunisten dachten auch, sie seien die Gewinner der Evolution.
MÜDE.
Ich bin so müde!

Industrielle Revolution?
Der Verlauf der kapitalistischen Gesellschaftsgeschichte?
Haben die alle nicht aufgepaßt in der Schule?
Oder hat man das nur unterm Sozialismus gelehrt/gelernt:
Die industrielle Revolution reduziert die Anzahl der Arbeitsplätze.
Hallo?
- die sind danach auch nicht mehr da!
Ostdeutschland hatte eben das Pech, daß es vieles ein ZWEI-tes Mal hatte, was ein wiedervereinigtes Land jedoch nur EIN-mal brauchte:
für jeden Wirtschaftzweig gab es eine ost- und eine westdeutsche Variante.

Ist das für ein (west)deutsches Politikerhirn so verdammt unverständlich?:
Immer mehr Industrialisierung
erzeugt Wohlstand in immer weniger Arbeitsstunden.
Weniger Arbeitsstunden,
weniger Menschen.

Nach dieser Rechnung
leben in Deutschland zur Zeit leider ca. 8 Millionen Menschen zuviel.
Tja, was machen wir denn jetzt nur mit denen?
Gegenüber 80 Millionen Einwohnern ist das stinknormaler, europaweiter Durchschnitt.
Leider nützt dieser Vergleich in Deutschland nicht viel.
Das wiedervereinigte Deutschland ist eben kein europäischer Durchschnitt, denn dieses Land hatte eine Grenze, und:
die gibt es immernoch.
Im ehemaligen Ostdeutschland: 25%. Jeder vierte zuviel ...
Im Westen sind es nur 8 %.

Wie überrascht sich deutsche Politiker in ihrer Entdeckung der Unterschicht geben!
Blanker Hohn.
Ich bin MÜDE.
Irgendwie ist mir ÜBEL, aber nur im Kopf.

25% der Haushalte im Osten leben an der Armutsgrenze.

Eins, zwei, drei,
VIER
- und schon ist der Finger bei Dir.
Das ist ganz schnell abgezählt! Zumindestens hier.

19. Okt 2006

Zellaustausch

Blickwinkel: Gegenwart

Dieses Gefühl.
Es ist morgens beim Aufstehen da.
Später, beim Spaziergang kommt es wieder.
Dieses Gefühl ist da, wenn ich meinen Mitbewohnern begegne und die Stimmungs-Luft einatme, die zwischen uns ist.

Es fühlt sich nach "angekommen-sein" an.
Genau das ist es jedoch, was mich auch stutzig macht.
Angekommen sein!
Wielange lebe ich jetzt schon hier?, sieben Jahre?
- und jetzt fühle ich mich angekommen?

Sieben Jahre.
Sagt man nicht, dies sei der Zeitraum, in dem sich jede Zelle des Körpers einmal komplett ausgetauscht und erneuert hat?
Das bedeutet also auch,
daß keine der Zellen mehr von denen existiert,
mit denen ich hier am Platz angekommen bin ....

Und desweiteren:
daß jede Zelle, die nun in mir ist, auch hier geboren wurde.
Die Frau, mit der ich hier angekommen bin,
existiert nicht mehr.
Die, die jetzt in mir wohnt,
hat's sich gemütlich gemacht. So fühlt es sich jedenfalls an.

Wie gut habe ich die Saat in mir gepflegt, mit der ich hier vor sieben Jahren angekommen bin?
Ist das aufgegangen, was ich damals gepflanzt habe?

Ich habe begriffen, daß das Leben wie ein Pendel ist -
es MUSS zu beiden Seiten (+/-) ausschlagen (dürfen),
DAMIT es funktionieren kann.
Ansonsten wäre es kein Pendel.
Wäre es kein Leben.
Sondern: Stillstand.

Und Stillstand kann auf Dauer nicht gesund sein!,
auch wenn man dabei in der Sonne steht,
Sonnencreme benutzt und ständig trinkt.

Außerdem: ein Leben in ewiger Freude, wie langweilig!
Auch im Dunkeln kann es schön sein.
Und, der Volksmund: Wer nur das Glück sucht, wird es nicht finden.

Man kann ein Pendel eben nicht irgendwo im freien Raum festnageln,
damit es sich nicht mehr bewegt ... Erfahrungen zu haben bedeutet: Gegensätze kennengelernt zu haben.
... womit ich natürlich niemanden auffordern will, das Unangenhme zu suchen (denn: wer (nur) sucht, wird nicht finden).
Prüfungen und Aufgaben schickt das Universum ohne Aufforderung und von ganz allein.

Kommt es darauf an, möglichst lange auf diesem Planeten zu leben, oder darauf, die eigene Aufgabe wiederzufinden, die sich die Seele einst vorgenommen hatte zu lösen, als sie sich für eine neue Erdenrunde in (m)einem Körper materialisierte?

Habe ich (m)eine Aufgabe gefunden?
Wenn ich in mein Inneres hineinhorche, dann ist da auf jeden Fall Zufriedenheit.
Ist das ein Indiz dafür, daß ich mich meiner Aufgabe nähere?

Jemand meinte einmal zu mir,
er sähe in meinen Augen die Augen einer alte Seele, die sich jedoch nicht an die Oberfläche ihres neuen Lebens traut.

Vielleicht war es die Aufgabe meiner vergangenen Leben,
meine Seele (überhaupt) zu finden.
So wäre die Aufgabe dieses Lebens vielleicht,
angstlos zu ihr zu stehen und sie nicht mehr zu verstecken?

18. Okt 2006

Logbuch: Hallo Haushalt!

Blickwinkel: Gegenwart


Zusammenballung
aller Quasi-Haushalts-Pflichten einer Gemeinschaft.

Für mich, heute.
Zufällig alle an einem Tag.

('quasi', weil:
in Freakhaushalten sind Pflichten selten gerne gesehene Gäste ....)

Die Abwaschuhr zeigt auf meinen Namen.
In den Kochplan habe ich mich schon vor ein paar Tagen eingetragen.

Der Tag draußen ist neblig-feucht.
So haben diese Tätigkeiten durchaus ihre gemütlichen Aspekte.
Der Ofen in der Küche ist an, ebenso Musik.

Beim Abwasch, ganz laut.

Ich bin alleine, die anderen sind unterwegs.
Gäste sind keine da.
Wohlgefühl, trotz 'Haushaltspflichten'.

Mein Hund grunzt auf'm Teppich.
Meine Schuhe, vom Spaziergang im Wald komplett durchnäßt, trocknen am Ofen.

Wäsche waschen?
Staubsaugen?

Fensterputzen!

17. Okt 2006

Auskuppeln und Licht tanken!

Blickwinkel: Gegenwart
Seelenfilter: Jahreszeitlich

Herbst! - im Haus etablieren sich wieder Temperaturzonen:
mein Zimmer (tagsüber warm, morgens erfrischend kühl), der Wohnungsflur (kälter), der Hausflur (noch kälter), die Gemeinschaftsräume (wieder warm, vorausgesetzt vor mir ist schon jemand aufgestanden).

Mehrere Klamottenschichten.
Ein paar Wochen noch, dann kommt die lange Unterhose dazu.
Ein halbes Jahr lang Vergessenes wird wieder wichtig:
Anmach-Holz?, Zeitung?, Holzvorräte im Zimmer oder Küche aufgefüllt?
Es lohnt sich, den Schlafrhythmus umzustellen,
um über den Tag hinweg möglichst viel Licht zu tanken.

Die Gegensätze zwischen Tag und Nacht sind stark.
Nachts, feucht, alles bereits leicht schneidend. Morgens schlägt es sich auf den Fenstern nieder. Im Winter werden es Eisblumen sein.
Tagsüber, Sonne, die nur noch an windgeschützten Stellen Wärme bringt. Wolken, die es wärmer machen, weil sie wie ein Federbett wirken.

Das erste Rausgehen am Morgen: eine kalte Dusche.
Dort, wo die Sonne noch nicht hingelangen konnte, triefen die Spinnenweben in den Grashalmen vor Feuchtigkeit.
Nach dem Frühstück, draußen, auf der Bank vorm Küchenfenster sitzen, Morgenkaffee, Zigarette, Wärme, Sonne?
.... ist nicht mehr.
Alle Türen im Haus offen stehenlassen?,
.... is' nicht mehr.

Als Ersatz gibt es dieses Licht.

Der Sonnenuntergang fällt mir mit seinem lila Licht genau ins Zimmer,
durchflutet es,
und kommt an der grünen Wand zum Stehen.
Glitzernde Teilchen tänzeln im Raum.
Auch, wenn es nur Staub sein sollte,
webt er doch ein zauberhaftes, dreidimensionales Gazeh.

Gänsehaut.
Mein Körper sucht sich Ventile, um die Schöhnheit zu ertragen.
Ich fühle mich wohl und tue das,
was das Leben in dieser Zeit für gewöhnlich auf seiner Vorschlagsliste hat:
ich kräftige meine Strukturen.
Ich kuppel aus und wechsele den Gang.
Ich bleibe stehen, und schaue mir an:
mich selbst und all das andere.

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